Wiesbadener Kurier, 30.05.2011
Gehobener Humor ist keine leichte Kost
Mit einem verschmitzten Lächeln und einem schelmisch-frechen Augenzwinkern - so genoss Andreas Renee Swoboda den ersten Applaus des Abends in seiner alten Heimat. (...) Jetzt kam der Musical-Comedian mit seinem dritten Soloprogramm nach Hochheim zurück. „Ein sehr gelungener Auftritt“, wie die Zuschauer meinten - und das nicht nur dank seines außergewöhnlichen Talents, als Mann glockenhellen weiblichen Sopran singen zu können. „Renee’s Coming In - Ich bin auch ohne Lady gaga!“, heißt das neue Bühnenprogramm, bei dem Swoboda ausschließlich als männlicher Entertainer auftritt und das Publikum an seinem durchgeknallten Sopranisten-Innenleben teilhaben lässt. Allerdings ganz ohne Lady im Gepäck und mit striktem, selbst auferlegtem High-Heel-Verbot. Wer den Künstler kennt, wird irritiert sein. Denn eigentlich ist er als weibliche Hauptrolle in der Show „Yma - zu schön um wahr zu sein“ am Berliner Friedrichstadtpalast gerade für die Darstellung femininer Kunstfiguren bekannt.
Wer allerdings einen Abend voller Testosteron strotzender Machogesänge und frivoler Gags unterhalb der Gürtellinie erwartete, ging enttäuscht nach Hause. Renees Show ist keine, die man sich mal so nebenbei anschaut, um einfach unterhalten zu werden. Ihr Erfolgsgeheimnis: eine Mischung aus Comedy, Kabarett und kritischer Gesellschaftssatire. Lustig, skurril, herzergreifend. Auch mal überspitzt, aber niemals schlüpfrig. Eine in Alt, Bass, Tenor oder Sopran gesungene, schräg-bunte aber anspruchsvolle Gesamtkomposition, die die Zuschauer begeistert.
Zuschauerstimmen: „Das ist Unterhaltung auf ganz hohem Niveau, auch wenn der Humor keine leichte Kost, sondern eher von der gehobenen Sorte ist“, „Sagenhafter Stimme“ , „provokative, tiefgründige Liedertexte und die kritischen Pointen, die den Zeitgeist treffen und zum Nachdenken bewegen“.
So zum Beispiel, wenn Renee vom „Kaufhaus des Wahnsinns“ singt, in dem er sich mit pelz- und schmuckliebenden Touristen aus Osteuropa und Russland herumärgern muss. Oder auch dann, wenn er als kinderhassende Hexe verkleidet auf die Klagewut verbitterter Rentner gegen zu lauten Kinderlärm anspielt. Einen Seitenhieb auf die chirurgisch verschönte „feine Gesellschaft im Land“ durfte da natürlich nicht fehlen. Als Tango tanzende „Zombies im Schönheits-OP“ bekamen Lippenaufspritzer, Hautstraffer und alle anderen „Schönheitswahnsinnigen“ ihr Fett weg.
„Babbeln, Fassenacht und Äppelwoi“ - seine hessischen Wurzeln hat der Wahl-Berliner übrigens nicht vergessen. Am 17. November (2011) steht für Andreas Swoboda ein echtes Heimspiel auf dem Programmplan, wenn er im dann neu eröffneten ShowSpielhaus Main-Taunus auftritt.
(Daniel Waldschik)
Tagesspiegel Berlin, kurz & kritisch, 09.04.2011
KABARETT: Durchgeknallte Rampensau
In seinem Soloprogramm gelingt Renee erneut ein Salto Mortale in eine komplett andere Rolle. Er tobt sich rampensaumäßig als männlicher Entertainer aus. Slogan: „Renee’s Coming In – Ich bin auch ohne Lady gaga“.
Schräge Gefühle, Situationen, turbulent inszeniert. Es geht um Rolltreppenblockierer, Taxiwegschnapper, Putzfetischisten. Die meisten Songs hat Dagmar Bedbur hintergründig-treffend geschrieben. Dabei lässt Renee auch mal kurz die Koloratur-Sopranistin aufblitzen. Und Pianist Alexander Klein setzt bärbeißige Kontrapunkte.
(Christoph Stollowsky)
BILD, 04.09.2010
(Exklusiv-YMA-Interview-Einleitung)
Sie ist der Star der neuen Sensations-Show im Friedrichstadtpalast. Die schöne "YMA" umgarnt Männer wie Frauen mit ihrem glockenklaren Gesang. Doch Deutschlands schönstes Revue-Girl ist ein Mann!
(Roland Keitsch)
Night out @ Berlin, 02.09.2010
Yma wird vom Publikum gefeiert. Yma ist erotisch, waghalsig, mit Dynamit geladen. (...)
Yma strahlt, glitzert und lächelt an diesem 2. September mit deutscher Präzision und einem Feuer aus Talent und Leidenschaft. Wer ist diese Yma? (...)
Eine zu schöne, zu grazile, zu perfekte Frau. Sie ist zu schön, um wahr zu sein. (...)
Der Star des Abends, Renee in der Rolle der Yma, erzeugt das erotische Schillern der Inszenierung.
Sowohl in dem Namen Yma wie in Renee bleibt das Geschlecht uneindeutig und wird in der Performance zur perfekten Illusion von Frau.
(...) Wenn der Mann dann auch noch einen betörenden Sopran bieten kann, dann ist die Illusion perfekt. Renee in der Rolle der Yma ist ein Sängerdarsteller der Sonderklasse. Perfekte Stimme, perfekter Körper, perfekte Bewegungen. (...) der Zuschauer sieht sich mit einer perfekten Grenzüberschreitung der geschlechtlichen Erfassung akustisch und visuell konfrontiert. Travestie ist, wenn unter dem zu schönen Schein der Frau der Mann durchschimmert. Dies ist weder visuell noch akustisch der Fall bei Renees Yma. Andreas Renee Swoboda geht einen entscheidenden Schritt weiter. Er lässt die Travestie hinter sich und schafft ein exklusives Frauen-Modell.
Yma wird durch Renee eine moderne Diva à la Lena Meyer-Landrut. Das kleine Schwarze von Yma ist einen Tick mondäner. Yma ist eine noch mädchenhafte Frau, die ihre Nächte in den weltbesten und freizügigsten Clubs wie dem Berghain am Ostbahnhof so erfolgreich gemanagt hat, dass sie trotzdem immer noch von der Ehe träumt und bei Stimme ist.
(Posted by Torsten Flüh)
Focus online, 02.09.2010
Die Traumfrau „Yma“ (gesprochen: Ima), um die sich das Feuerwerk von Tanz- und Artistiknummern entwickelt, wird von dem Stimmwunder Andreas (Renee) Swoboda („Nette Renee“) gespielt. Mit Wespentaille, Greta-Garbo-Welle und Beinen bis zum Hals schwebt er/sie in einer großen Glitzerwolke singend und schmachtend auf das Publikum nieder. „Männer oder Frauen – in diesem Millennium ist das nicht so wichtig“, flötet Yma wahlweise im Tenor oder in glockenhellem Sopran. „Ich bin prosexuell, eine Art Alice im Durcheinanderland.“
(dpa)
musicalzentrale.de
Ein besonderer Coup ist die Besetzung der namensgebenden Leading Lady YMA mit einem Mann. Andreas Renee Swoboda stattet die Rolle mit Charme, frivolem Witz, etwas Tiefgang und seiner wunderbaren Stimme aus. Dankenswerterweise macht er aus der Figur keine schrill-schräge Travestie-Trasheinlage, sondern einen schillernd extravaganten Show Act.
Berliner Morgenpost, 29.08.2010
Rasselnd rauscht er hinauf, der Vorhang aus 175000 Pailletten. Grelles Neonlicht hebt die Bühnenelemente aus dem Dunkel des Probenraums. Aus einem Boxenwagen dröhnt Pinks „Get The Party Started“. Der Song steigert sich von dezenten Streichklängen zu wummernden Bässen. Plötzlich flammt rosa Licht auf – und da ist sie, inmitten der anderen Tänzer: „Yma“ (Andreas Renee Swoboda), die Protagonistin der neuen Friedrichstadtpalastrevue, exotisch und schön. Die Frontfigur der rund 100 Tänzer, Solisten, Musiker und Artisten, die in der Revue mitspielen. Ins Licht gesetzt von 312.000 LED-Lampen. Mit Kosten von acht Millionen Euro ist „Yma“ die teuerste Revue, die sich Choreografen des Hauses bisher ausgedacht haben. 600.000 Zuschauer wollen die Macher mit ihr in das Revuetheater locken, vor allem mehr Berliner – und jüngere Zuschauer. (...) Die Figur Yma sei ja im Kleinen wie das metrosexuelle Berlin im Großen. Ein wenig Mann und Frau, etwas homo- und heterosexuell zugleich, eine „Projektionsfläche“ für Vieles. Es klingt wie eine Reverenz gegenüber den 20er-Jahren, als Travestie und spärlich bekleidete Körper stets viel Publikum fanden und das Androgyne „in“ war.
(Alexandra Kilian)
Online Musik Magazin, 24.11.2008
"Einen starken Eindruck hinterlassen die tanzenden 'Cagelles', die Show-Stars des 'Cage aux Folles': (...) Renee - der Mann mit der Frauenstimme (...) als höhensichere Koluratursängerin Chantal, (...)"
(Stefan Schmöe)
Recklinghäuser Zeitung, 24.11.2008
"Der männliche Sopran Renee alias Andreas Swoboda als Chantal mit einer Verballhornung der großem Lucia-Arie aus Donizettis "Lucis di Lammermoor', (...) bieten köstliche Parodien in Hülle und Fülle"
(Bernd Aulich)
Sonntagsnachichten, 23.11.2008
"(...) so etwa bei Chantals hinreißendem Sissi-Traum in Weiß. Renee - der Mann mit der Frauenstimme lässt in der Tat sich die Nachtigallen beschämt zurückziehen. Dazu muss man kein Prophet sein: ,La Cage aux Folles' wird ein Dauerbrenner in Gelsenkirchen. (...)"
(Pitt Herrmann)
Frankfurter Neue Presse, 20. November 2007: Mit toller Stimme gegen das Klischee
Zur "Krönung auf dem Kronenhof" luden die Hofspiele für diese Saison mit einer Show der ganz besonderen Art ein: Zu Gast was Renee Fein alias Andreas Swoboda. Wer nun eine Travestie-Show normalen Genres erwartet hatte, sah sich bereits nach den ersten Minuten getäuscht. Denn Renee braucht nicht auf die abgedroschenen Klischees der Transvestiten zurückzugreifen. Sein Potenzial ist die Stimme.
Während man gemeinhin eine glitzernde Halbwelt mit schlüpfrigen Witzen und derben Chansons geboten bekommt, war es hier in der Tenne des Kronenhofes Gesangskunst pur. Und zwar in einer Weise, wie sie wohl einzigartig sein dürfte, denn Renee verfügt über ein höchst außergewöhnliches stimmliches Phänomen: Er singt Sopran!
Der eine oder andere Gast dürfte zunächst noch zweifelnd auf die Lippen des Stimm-Genies gestarrt haben, um zu erkennen, od er auch wirklich singt. Aber alle Zweifel wurden sehr schnell ausgeräumt, denn Renee ist tatsächlich in der Lage, sich bis zum dreigestrichenen C empor zu schwingen, eine Gabe, für die ihn so manche Frau beneiden dürfte. Im Dialog mit seinem Pianisten Peter (Dietrich Bartsch) träumt Renee seinen ganz großen Traum, nämlich einmal ein großer Popstar zu werden. Doch sollte es dem Produzenten niemals um seinen (ihren) Körper gehen, sondern nur um die Stimme. So konstatiert er (sie) aus dem Musical "Elisabeth" in wahrhaft unter die Haut gehender Weise "Ich gehör nur mir!". (...)
Viel zu schnell erklang aus dem verführerisch rot geschminkten Mund "This show is over, say goodbye". Doch Andreas Swoboda verabschiedete sich mit den Worten "In meiner nächsten Show trete ich auch als Mann auf und singe Tenor!". Zunächst ist dies nur in seiner Wahlheimat Berlin zu erleben. Aber wenn er wieder in seine echte Heimat -den Taunus-
kommt, beschert er vielleicht und hoffentlich diese neue Show (Nette Renee) im Rahmen der nächsten Hofspiele.
(FNP, Bad Homburg, Michael Jacob)
Berliner Tagesspiegel-Portrait, 08. Januar 2007: Ein Mann steht seine Frau
Mit seiner einmaligen Stimmlage bezaubert Andreas Swoboda alias Renee die Zuschauer seiner Musical- und Comedyshow
Manchmal hat Renee so etwas Sündiges in der Stimme. Dann setzt sie sich einem der Männer an den vordersten Tischen mit einem Hüftschwung auf den Schoß. Sie schlingt den Seidenschal um seinen Nacken und streckt ihre Beine aus im feuerroten Hosenanzug, bis sie in ganzer Länge zur Wirkung kommen. Sie umgarnt, kokettiert, zickt und schmollt, schenkt ihm ein Lächeln – und flirtet mit ihrer weichen, fraulichen Stimme in den höchsten Sopranlagen: „Ich hab so einen süßen kleinen, klitzekleinen Schwips!“ Das bringt den Auserwählten sichtlich aus der Fassung. Denn Renee ist weitaus mehr, als eine Frau normalerweise sein kann: Sie ist Kuschelkätzchen, Charming Girl, Vamp, Powerfrau – und in Wirklichkeit ein Mann.
Der findet nach der Show schnell zurück in seine maskuline Rolle und erliegt nun selbst dem Charme seiner Kunstfigur. „Renee find ich sexy“, sagt der Wahlberliner Andreas Swoboda und ist nun wieder ganz Mann mit einer ganz normalen männlichen Stimme. Fix angelt sich der 30-jährige Musical- und Comedy-Künstler zum Interview am späten Abend den letzten freien Barhocker im Café. Mindestens sechs Jahre jünger sieht er aus. Und am Tresen macht er eine gute Figur in seiner Jeans und dem Sweatshirt mit den Idealmaßen eines leichtgewichtigen Tänzers. Die schlanken Finger streichen über den Rand des Weinglases. „Mein Ziel mit dieser Show“, sagt er, „ist eine authentische Frauenillusion.“
Dafür hat er mit seiner Regisseurin Verena Andresen, dem Texter Simon Weinert und seinen Pianisten Christoph Wagner/Dietrich Bartsch eine Persiflage auf den Starkult inszeniert – Entertainment best mit Witz und Tiefgang: die „Soiree mit Renee“. Andreas Swoboda spielt das Model Renee Fein, ein Mannequin, dessen Herzenswunsch es ist, Popstar zu werden. Aber bei den Proben fürs erste Casting singt und plaudert sie am liebsten über ihren Job, über Liebe und Sex, harte und weiche Kerle, ihre katastrophalen Kochkünste, und schaffte es sogar noch trotz aller Aufgeregtheit, mit dem Mann am Piano zu techtelmechteln.
Andreas alias Renee kostet das ganze Repertoire weiblicher Launen und Ausdrucksformen aus, doch seine Stimme ist der eigentliche Star der Inszenierung. Ihr Umfang und ihre weibliche Klangfarbe sind einmalig für einen Mann. Er singt Chansons und Operetten-Nummern hoch und klar wie eine Mezzosopranistin bis zum dreigestrichenen C, doch im nächsten Moment gleitet die Stimme in tiefe und mittlere Frauenstimmlagen, die unter die Haut gehen wie bei Mariah Carey und anderen Pop-Soul-Sängerinnen.
Eine anatomische Besonderheit macht das möglich: Swobodas Stimmbänder sind für einen Mann sehr kurz und schließen in hohen Tonlagen hundertprozentig zusammen. Diese besondere Eigenschaft seiner Stimme stellte sich während der Ausbildung heraus. Bühnenerfahrung sammelte er schon als 18-Jähriger mit einer Kabarett-Truppe in seiner Jugendheimat, dem Rhein-Main-Gebiet. Zum Musical-Tänzer, -Sänger und -Schauspieler bildete ihn die Hamburger „Stage School“ aus, inzwischen probt er mit der bundesweit führenden Gesangslehrerin für hohe männliche Stimmen von der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik, Renate Faltin.
Dass ihn die Fans im einstigen BKA-Luftschloss am Berliner Schloßplatz und danach im Stadttheater Lübeck bejubelten, wenn er als Chantal im Musical „Ein Käfig voller Narren“ sogar Koloraturen glockenhell schaffte, machte ihm Mut für eigene Produktionen. In die Frauenrolle habe er aber nur langsam hineingefunden, sagt er, lacht wie ein Schuljunge und erzählt von seiner ersten Musical-Comedy-Show „Jacob & Svob“. Zwei charmante Typen, die auf der Bühne um die Gunst des Publikums wetteifern. Beide verkörperte er im flotten Wechsel so echt, dass manche Zuschauer danach fragten: Wer war denn der zweite Schauspieler?
Inzwischen ist Andreas als Renee Fein durch und durch Frau geworden. Sie kann wie Tina Turner „Goldeneye“ singen, als stünde die Soul-Göttin selbst auf der Bühne, findet „dogmatische Geschlechterklischees langweilig“ und verwirrt die Männer, wenn sie ohne Gnade zu flirten beginnt: „Ich will dein Herz und deine Seele – sag Ja!“ Doch am liebsten plaudert sie aus dem Nähkästchen: „Der schwule Mann macht alles, nur eines macht er leider nicht.“ Renee blinkert ironisch. „Ich kann einfach nicht verstehen, warum man als Mann unbedingt eine Frau sein will!“
(Berliner Tagesspiegel, "Stadtleben", Christoph Stollowsky)
Frankfurter Neue Presse, 21. Juni 2007: Eine spektakuläre Show
Dass Andreas Swoboda einmal auf der Bühne stehen würde, das war ihm schon lange klar. Bereits in der 3. Klasse war er beim Schultheater dabei, später kamen Tanz und Ballett dazu, vier Jahre war er Ensemblemitglied der Comedy-Gruppe "Panoptikum" im Hattersheimer Posthofkeller. "Nichts dabei gedacht" habe er sich, als er dort ein oder zwei Mal eine Frauenrolle gespielt hat. Heute ist diese Rolle für ihn selbstverständlich, auch wenn sich die Idee zur Figur seiner Show "Soiree mit Renee" eher zufällig ergeben hat. Denn Andreas Swoboda, der sich in Hamburg zum Musical-Darsteller hat ausbilden lassen, sang zunächst Tenor, bis ihm Kollegen und Publikum, nachdem er im Musical "La Cage aux Folles" aufgetreten war, "diagnostizierten, dass ich eigentlich eine viel höhere Stimmlage habe."
"Du bist Counter-Tenor", sei ihm damals gesagt worden; die Gesangslehrerin Renate Faltin, bei der er Unterricht nahm, erkannte dann, dass er sogar Mezzosopran singen kann. Denn seine Stimme reicht bis zum dreigestrichenen C, und das mit einer durchaus weiblichen Klangfarbe. So ist dann die Rolle des divenhaften Models Renee Fein entstanden, weil Andreas Swoboda eine seiner Stimmlage entsprechende glaubhafte Bühnenfigur erschaffen wollte.
"Eigentlich mag ich keine Travestie", sagt der Künstler, der jetzt auf der Bühne dennoch die Illusion einer perfekten Frau erwecken will. Auch optisch überzeugt der schlanke Sänger, wenn er im tiefschwarzen oder leuchtend roten eng anliegenden Kostüm und mit schwarzer Mireille-Mathieu-Perücke die Bühne betritt. Akustisch ist die Show durchaus spektakulär, denn Swoboda hat lange daran gefeilt, seine "männliche" Tenorstimme mit dem Falsett der hohen Lage so verschmelzen zu lassen, "dass eine durchgehende Frauenstimme entsteht", wie er erklärt. Mit dieser Stimme überzeugt er dann in stücken aus Musicals oder Pop-Songs, die er zum Teil für seine Show umgetextet hat. Auch zwei eigene Kompositionen hat er im Repertoire: "Forever Yours" und "Love is a fire".
Zwischen den einzelnen Titeln erzählt Swoboda als Laufsteg-Diva aus dem Leben als Model und dem Traum von der Popstar-Karriere und flirtet zwischendurch ausgiebig mit ihrem musikalischen Begleiter, dem Pianisten Christoph Wagner. Dass das Thema Sex bei dieser "Soiree mit Renee" immer wieder eine Rolle spielt, ist klar. "Ohne Sex wären Sie alle heute Abend nicht hier", wie Renee Fein zu Bedenken gab. Kein Wunder dass ihr - denn das weibliche Pronomen hat sich Andreas Swoboda mit seinem Auftritt allemal verdient - Georg Kreislers "Sex is a wonderful habit" zu einem ebenso verruchten wie glamourösen Höhepunkt der Show gerriet. Nicht nur bei diesem Stück geizte das Publikum nicht mit Applaus, so dass es nach der koketten Nachfrage ("Wollen sie noch einen?") am Schluss auch nicht ohne Zugaben abging. "The show is over say goodbye", hieß es dann trotzdem irgendwann.(...)
(FNP, Stadtteil Hochheim, jöh)
Neues Deutschland, 3./4. Juni 2006: Die Soiree mit Renee
Andreas Swoboda spielt und singt ein Model
Wenn er in den höchsten Tonlagen trillert, zwitschert und jubiliert, kann man sich kaum vorstellen, tatsächlich einen Mann auf der Bühne zu sehen. Und auch die Optik – lange Beine, schwarzer Pagenkopf, ebenmässiges Gesicht – lässt eher auf eine Frau schließen.
Der Künstler Andreas Swoboda beherrscht die Kunst der Verwandlung perfekt. In seiner Show <<Soiree mit Renee>>, die er im Club Kookaburra zeigte, tritt der ausgebildete Sänger als singendes Model auf, das den Weg in den Pophimmel schaffen will. Überraschend ist Swobodas Sopranstimme, die sich wie bei jeder guten Sängerin dieser Tonlage in erstaunliche Höhen schwingen kann, ohne an Volumen zu verlieren oder ins Schrille abzugleiten. (...)
Der Musicaldarsteller, der über die seltene Begabung verfügt, sowohl Tenor- wie auch Sopranstimmen singen zu können, brillierte als Chantal im <<Käfig voller Narren>> und schulte seine Falsettstimme zusätzlich an der Hanns-Eisler-Musikhochschule. Man hört seiner klaren, reinen Stimme gerne zu, (...) Weitere Termine sind in Planung.
(Neues Deutschland, Berlin - Kultur, Anouk Meyer)
Tagesspiegel, 31. Mai 2006: Modell, Melancholikerin und Mann
Renee umgarnt, kokettiert, ist mal Charming-Girl, mal Luder, selbstverliebtes Model, Melancholikerin – und in Wirklichkeit ein Mann. Doch Andreas Swoboda gelingt die perfekte Frauenillusion in seiner neuen Show Soiree mit Renee.
Der 30-jährige Berliner Sopran und Musicaldarsteller spielt ein Mannequin, das sich partout in den Kopf gesetzt hat, ein Popstar wie Tina Turner zu werden. Aber bei ihren Proben fürs Casting singt und plaudert sie am liebsten über ihre Affären und Sex, über harte und weiche Kerle, ihre katastrophalen Kochkünste oder den Job, nuckelt zwischendurch aufgeregt an der Wasserflasche und schafft es sogar noch, mit ihrem Pianisten Christoph Wagner zu techtelmechteln.
Das ist weit mehr als Travestie, wie man sie kennt. Bei der Premiere im Comedy-Club Kookaburra in Mitte wurde die Persiflage auf den Starkult heftig beklatscht. Swoboda jongliert gekonnt mit den Versatzstücken von Kabarett, Musical und Operette, besitzt schauspielerisches Talent, vor allem aber hat er eine beeindruckend variable Stimme.
Mal singt er tief mit Frauenaltstimme, dann plötzlich hoch wie eine klassische Sopranistin bis zum dreigestrichenen „c“. Seine Arie auf die Gleichgeschlechtlichkeit heißt „Schwule lieben alles, was uns Frauen geknebelt hat.“
Swoboda kokettiert, schmettert die Nummer „Ich bin so unmusikalisch“, obwohl das Gegenteil stimmt. Zu guter Letzt schafft Andreas, pardon, Renee Tina Turners „Goldeneye“, als stünde die Soul-Göttin selbst auf der Bühne.(...)
(Tagesspiegel Berlin, Feuilleton, Rubrik „Kurz und kritisch“, Christoph Stollowsky)






